OPEN 2010: Oosthuizen überragte alle – Kaymer tragischer Held
Jul 18th, 2010 | By Bert Schmidtke | Category: Golf SpecialLouis Oosthuizen aus Mossel Bay in Südafrika ist der British Open Sieger des Jahres 2010. Wer hätte das gedacht?! Seine Performance bei der 139. THE OPEN Championship in St. Andrews war einfach überragend und überwältigend zugleich. Nach zwei Tagen übernahm der 27-Jährige die Führung, baute sie kontinuierlich aus und als viele dachten und manche auch hofften, der wird spätestens im Finale einknicken, die sahen sich heute eines Besseren belehrt – Louis triumphierte mit 16 unter Par total und fast schon unglaublichen sieben Schlägen Vorsprung. Es gab also kein Dejà-vu mit der diesjährigen US Open in Pebble Beach, als Dustin Johnson (USA) als Führender unter der kalifornischen Sonne dahinschmolz, wie ein Stück Butter auf einen heißen Autodach. Im Finale reichte Oosthuizen eine 71 (-1), um seinen ersten Major-Titel unter Dach und Fach zu bringen. Die Anderen waren einfach zu schwach, um ihm Feuer unterm Dach zu machen – niemand kam an Louis ran. Lee Westwood wird wohl langsam überdrüssig ewiger Zweiter zu sein, aber was willst Du machen, wenn es nicht reicht für ganz vorne. Mit -9 ist er wieder mal der sogennante Runner-up – eine euphemistische Bezeichnung für den “ersten Verlierer”, für die Du Dir nix kaufen kannst, auch es wenn dafür noch eine Menge Geld gibt.
Martin Kaymer war in jeder Beziehung der tragische Held dieser 150-jährigen Jubiläumsausgabe der OPEN. Als Dritter ins Rennen gegangen, zusammen mit “Kumpel” Henrik Stenson (Swe), sah es bis zur 15 gut aus für den Düsseldorfer. Bis dahin lag er 1 unter Par für den Tag – ok, für ganz vorne reichte das natürlich nicht, aber es ging von da ab ja ausschließlich um den zweiten Platz, den er sich zu diesem Zeitpunkt noch mit vier Kollegen teilte. Auf der 14 und 15 hatte er noch zwei Birdies gemacht. Dann gab es ein Bogey auf Loch 16, auf der 17, dem Road Hole, lag er mit seinem 2. Schlag tatsächlich auf der Road, chippte von da hinter den “Road Hole Bunker” und rettet anschließend zwar glänzend wenigstens noch das Bogey, aber wieder war ein Schlag weg. Und auf der 18 – ja, da machte er drei Tage lang jeweils das Birdie zum Abschluss. Und heute ging alles schief, das berühmte “Valley of Sin” wurde einmal mehr für einen großen Spieler zur Bogeyfalle. Den Drive hatte er kurz vor das 18. Green gelegt, von da dann geputtet, der Ball lief auf einem Kamm des Grüns und statt von da zum Loch abzubiegen, trat er den Weg wieder runter vom Grün ins “Valley of Sin” an – ein geradezu symbolisches Ende. Mit dem Bogey-Bogey-Bogey-Finish ging es dann auch prompt zurück auf den geteilten 7. Platz. Ganz, ganz bitter – nach so einem tollen Turnier, so aufzuhören. Am Ende stand eine 74 (+2) zu Buche, das schwächste Rundenergebnis während der gesamten Woche auf dem Old Course für die deutsche Nummer 1. Im anschließenden Interview zeigte sich Kaymer sichtlich und explizit “schockiert” über das, was er auf den letzten drei Löchern fabriziert hatte. Vor allem das Bogey auf der 18 hätte ihn vollends entsetzt. Kaymer: “Auf der 17 hatte ich für den zweiten Schlag ein Eisen zu viel in der Hand und der Ball landete auf der Straße hinter dem Grün. Von daher ist das, auch wenn das komisch klingt, ein gutes Bogey gewesen. Auf der 18 liege ich dann am Grün nach dem Drive und brauche vier Putts. Das ist natürlich sehr, sehr bitter!“ Mit einem Birdie, wie an den drei Tagen zuvor, wäre er zumindest geteilter Zweiter geworden – ein Sieg war angesichts der Nervenstärke und Konstanz im Spiel von Oosthuizen nach Aussagen von Kaymer nicht drin gewesen an diesem Tag, aber der zweite Rang hätte es schon sein müssen. Kaymers Anspruch an sich selbst ehrt ihn – die Realität wird ihn weiter lehren – auch das ist eine der großen Stärken des Martin Kaymer. Als Trost blieben ihm ca. 140.000 Euro Preisgeld.

Martin Kaymer blieb heute nur die Rolle des tragischen Helden - drei Bogeys zum Abschluss - Foto:BMW
Rory McIlroy, der seinen “schwarzen Tag” am Freitag mit einer 80 erlebte, war der Gewinner des Tages, natürlich neben Oosthuizen. Der 21-jährige Jungstar aus Holywood in Nordirland notierte mit 68 Schlägen (-4) das zweitbeste Tagesergebnis und holte sich noch den 3. Rang, wenn auch mit Henrik Stenson und Paul Casey (Eng) geteilt. Der zweimalige US Open Champion Retief Goosen (RSA) lief schließlich auf Platz 6 ein mit -7 total. Dann kommt die Gruppe auf Platz 7 mit Martin Kaymer bei -6 insgesamt. Tiger Woods hatte nie eine Chance heute richtig nach vorne zu kommen. Sein verheißungsvoller Start mit zwei Birdies auf den ersten drei Löchern verpuffte mit zwei Doppelbogeys auf der 4 und der 7. Am Ende stand eine Parrunde für die Nummer 1 der Welt und Platz 23. Zum Trost: Phil Mickelson wurde nur 48.
Auch bei Marcel Siem sah es lange sehr, sehr gut aus, mit vier Birdies und ohne Bogey lief es 13 Löcher geradezu sensationell für den jetzt 30-jährigen Ratinger. Dann gab es ein erstes Bogey auf der 14 (Par 5) und ein Dopplebogey auf Loch 17. Schließlich stimmte ein Birdie auf dem Schlußloch nochmal versönlich (70/-2), denn für Siem war es sein erstes Major. Mit -2 total und Platz 27 war das ein mehr als gelungenes Debut. Da hat er so manch Großen im Golfsport hinter sich gelassen.


